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Das letzte Foto

Den "ertappten" Herren und Damen ist ihre Angst anzusehen.

In Europas Großstädten werden jedes Jahr Tausende Fußgänger Opfer von Verkehrsunfällen. Allein im Großraum Paris waren es 2016 mehr als 4.500. Die Agentur Serviceplan France und die französische Verkehrssicherheitsbehörde DRIEA (Direction Régionale et Interdépartementale de l'Equipement et l'Aménagement) machten mit einer aufrüttelnden Kampagne auf dieses Sicherheitsrisiko aufmerksam.

Kern der Kampagne war ein speziell entwickelter, digitaler Info-Screen, der Ende März als Installation an einem Fußgängerüberweg an einer Pariser Hauptverkehrsstraße stand. Über einen Bewegungsmelder und versteckt angebrachte Lautsprecher wurden jedes Mal, wenn ein Fußgänger die Straße bei Rot überquerte, die Quietschgeräusche abrupt abbremsender Autoreifen eingespielt. In exakt diesem Moment hielt eine Kamera das schockierte Gesicht der "ertappten" Person fest.

Die vor Schreck verzerrten Gesichter der Fußgänger wurden direkt auf dem digitalen Info-Screen angezeigt und in Echtzeit mit dem Claim der Aktion unterlegt: "Gehen Sie nicht das Risiko ein, dem Tod ins Auge zu blicken. Achten Sie beim Überqueren der Straße auf die Ampeln." Das Ziel: ein dauerhafter Lerneffekt und starke Bilder für die Social Media-Berichterstattung.


Aktuell sind die "Schockfotos" in der OOH-Werbekampagne der DRIEA zu sehen.
Gernot Glasl, Kreativer und Inhaber der Agentur 0916

Was bringt der "Schockeffekt"?

Gernot Glasl, Geschäftsführer und Inhaber der 0916 Werbeagentur, auf die Frage, ob so eine Kampagne auch in Österreich denkbar ist: "Ja natürlich. Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Ich denke die Kampagnenverantwortlichen mussten zu drastischen Mitteln greifen, weil Sie die Bevölkerung sonst nicht hätten wachrütteln und zum Umdenken bewegen können." Allerdings gäbe es auch Grenzen, wenn es zum Beispiel um den Schutz von Kindern ginge. International gäbe es aber weit drastischere Darstellungen, als diese Kampagne.

Aber was bringen solche "Schocksujets" überhaupt? Glasl erklärt: "Ich denke, dass die Kampagne kurzfristig auf jeden Fall viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Direkte Ansprache und drastische Darstellungen helfen immer, wenn man z.B. wenig Budget oder wenig Zeit hat, um sein Kommunikationsziel zu erreichen. Daher ist natürlich die Vervielfachung des Mediabudgets durch mediale Berichterstattung ein erfreulicher Effekt. Aber dafür müssen eben die Kreationen schon genug Pfeffer haben, sonst kräht kein Hahn danach."