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Ein Wal zwischen Kunst, Werbung und Gesellschaftskritik

Walwerbung mal ganz anders

Wer Ende Juli in Paris das Seine-Ufer entlang spazierte, traute wohl seinen Augen nicht. Einen Steinwurf von Notre Dame entfernt lag ein knapp 16 Meter langer, verendeter Pottwal, an dem sich eine Gruppe von Wissenschaftlern in weißen Kitteln zu schaffen machte.

Was täuschend echt aussah, war jedoch kein echter Wal. Das belgische Künstlerkolletiv Captain Boomer hatte den Pottwal gestaltet. Der falsche Kadaver sollte auf das Festival "Paris l'Été" (Paris - der Sommer) aufmerksam machen. Die von der Festivalleitung beauftragten Belgier gaben sich größte Mühe, den vermeintlich gestrandeten Meeressäuger so authentisch wie möglich aussehen zu lassen. Einige der Künstler verkleideten sich als Wissenschaftler und "untersuchten" den Pottwal.

"Der gestrandete Wal ist eine gigantische Metapher für die Erschütterung unseres Eco-Systems. Dadurch bekommen Menschen das Gefühl, dass ihre Verbindung mit der Natur gestört ist. Das Spiel zwischen Fiktion und Realität verstärkt dieses Gefühl der Verstörtheit", erklären Captain Boomer auf ihrer Webseite. Das Medienecho ließ nicht lange auf sich warten - weltweit berichteten Medien über den gestrandeten Wal.

Perfektion bis ins Detail
Lukas Meus‬, Meeressprecher‬ bei ‪Greenpeace

Marketing zur Bewusstseinsbildung

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat im Mai eine ähnliche Aktion auf den Philippinen durchgeführt. Dort wurde ein in Plastikmüll gehüllter Blauwal installiert, um auf die Plastikverschmutzung in den Weltmeeren aufmerksam zu machen. Aus diesem Grund kann ‪Lukas Meus‬, ‪Meeressprecher‬ bei ‪Greenpeace CEE, der ‬Aktion von "Paris l'Été" einiges abgewinnen: "Ich halte viel von derartigen Aktionen, um generell auf Umweltschutz und auf die Situation unserer Meere aufmerksam zu machen. Denn die Weltmeere sind bedroht: Industrielle Fischerei, die Gier nach Öl und Gas auf dem Meeresgrund, sowie die extreme Verschmutzung der Meere wie durch Plastik hinterlassen ihre Spuren."

Nach Meus' Ansicht können solche Aktionen zum Umdenken beitragen: "Zum einen bei den Menschen vor Ort, die den Wal gesehen haben. Zum anderen auch durch die mediale Berichterstattung. Dadurch werden sehr viel mehr Menschen erreicht. Und einige werden dieses Bild des Wales als Anlass nehmen, sich mit Umweltschutz und der Bedrohung unserer Meere näher auseinanderzusetzen." Aus diesem Grund legt Greenpeace Österreich auch einen starken Fokus auf Außenwerbung. "Für uns ist der klassische Out Of Home Bereich wichtig, um auf verschiedene Umweltthemen aufmerksam zu machen", erzählt Lukas Meus. "In der Regel gibt es drei Werbekampagnen pro Jahr zu einem jeweils aktuellen Thema. Wir setzen hauptsächlich auf klassische Plakate, zusätzlich auch auf Citylights. Je nach Kampagne gibt es auch Sonderinszenierungen."

Ähnlich positiv steht WWF Austria-Pressesprecher Florian Kozák der Aktion gegenüber: "Kunst und Aktionismus ist ein probates Mittel, um auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen - als Beitrag zur breiten Bewusstseinsbildung. Ein guter Marketing-Gag kann Bewusstsein schaffen und Verhaltensveränderungen bewirken." Politisches Handeln könnten derlei Aktionen jedoch nicht ersetzen. Letztlich liege die Lösung darin, wenn Politik, Wirtschaft und Konsumenten an einem Strang ziehen, ist Kozák überzeugt.

Florian Kozák, Pressesprecher WWF Austria

Fotos:
Pottwal_C_Paris-L-Ete.jpg © Paris l'Été
Florian-Kozak_C_Bright Light Photograhphy.jpg © Bright Light Photograhphy
Lukas Meus_C_Denis Sinyakov-Greenpeace.jpg © Denis Sinyakov/Greenpeace