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"Porno-Chic"-Plakate erregen Paris

Der Zeitpunkt, den das Modelabel Saint Laurent für seine jüngste Plakatkampagne in Frankreich gewählt hat, war nicht ganz optimal. Auf den Laufstegen der Prêt-à-porter-Schauen in Paris vermittelten einige Designer feministische Botschaften und der Internationale Frauentag (8. März) stand auch unmittelbar vor der Tür.

"Verherrlichung der Magersucht"

Denn was auf den Plakaten zu sehen ist, findet nicht jeder angemessen: Eines der Motive zeigt ein auf dem Boden liegendes Model im Pelzmantel mit gespreizten Beinen in Netzstrümpfen, auf einem weiteren beugt sich ein mit einem Body bekleidetes Model auf Stöckelschuhen mit Gummirollen über einen Hocker, den Hintern weit nach oben gestreckt. Bei der französischen Werbeaufsicht (ARPP) sind deshalb bereits in den ersten Tagen der Kampagne über 120 Beschwerden eingegangen.

Wenn teure Marken zu billiger Darstellung greifen

Einige Kritiker sähen in den beiden Bildern einen "Aufruf zur Vergewaltigung", andere eine "Verherrlichung der Magersucht", so ARPP-Chef Stéphane Martin. Er fügte hinzu, er wisse nicht, ob Saint Laurent-Kundinnen gerne mit derartigen Bildern in Verbindung gebracht werden möchten. Die ARPP untersagt alle "abwertenden oder demütigenden Darstellungen von Menschen" in der Werbung. Die Behörde kann von den Verantwortlichen verlangen, derartige Kampagnen zurückzuziehen oder zu ändern.

Vor rund zwei Jahren hatte die britische Werbeaufsicht (ASA) bereits eine Kampagne von Saint Laurent mit einem Magermodel verboten. Sie befand damals, das gezeigte Model sei "ungesund untergewichtig" und das Werbefoto daher "unverantwortlich".

Michael Straberger und Andrea Stoidl präsentieren Werbe-Leitfaden

Österreichischer Werberat startet Initiative zur Bewusstseinsbildung

Dass problematische Werbung auch hierzulande kein unbekanntes Phänomen ist, hat den Österreichischen Werberat (ÖWR) kürzlich dazu bewegt, eine Initiative zur Bewusstseinsbildung in der heimischen Werbewirtschaft zu starten. Auf Basis der Erfahrungen von mehr als 3.000 Beschwerden aus der Bevölkerung und rund 1.400 Werberats-Entscheidungen wurde dafür der Leitfaden "Dos & Don'ts in der Werbung" entwickelt, der anhand von nachgestellten Beispielen die "Grauzonen" des Ethik-Kodex behandelt und Grenzen bildlich darstellt.

 

Die Broschüre wende sich vor allem an KMUs und deren Agenturen. Konkret werden darin die Themenbereiche "Ethik und Moral", "Gewalt", "Geschlechterdiskriminierende Werbung" sowie "Kinder und Jugendliche" und "Ältere Menschen" behandelt. "Mit 'Dos & Don'ts in der Werbung' bieten wir der werbetreibenden Wirtschaft eine echte Orientierungshilfe rund um Themen der Ethik und Moral in der Werbung an", erklärt ÖWR-Präsident Michael Straberger die Grundintention des Service-Handbuchs. "Verantwortliche können die daraus gewonnenen Learnings für ihre Arbeit nutzen und Imageschäden für eine Marke oder das Unternehmen verhindern."

Vorsicht bei der Darstellung von Stereotypen

Ein definitives "Don't" sind beispielsweise rassistische und diskriminierende Darstellungen wie "Blackfacing". Auch die Abbildung von Frauen in Burka in Kombination mit dem Slogan "Frische dein Leben auf" für einen Friseur lässt der Werberat nicht durchgehen. Grundsätzlich sei bei der Darstellung von Stereotypen Vorsicht geboten. Auch Darstellungen von psychischer und sexueller Gewalt und Abbildungen von erotischen Bildern als reiner "Blickfang" ohne Bezug zum Produkt sind nicht erlaubt. Konkret bedeutet das, dass Nacktheit bei Unterwäsche problemlos sei, bei Bierwerbung hingegen nicht. Und im Fall von Saint Laurents Plakatkampagne wäre wohl auch der ÖWR eingeschritten.

Fotos:
Michael Straberger und Andrea Stoidl.jpg © ÖWR/Schiffl
YSL.jpg © Saint Laurent
YSL2.jpg © hiandramartinez/Instagram