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Der Kunst ihre Freiheit

Wien Tourismus widmet der Wiener Moderne sein Jahresmotto 2018. Mit Werken Egon Schieles, dessen Todestag sich heuer zum 100. Mal jährt, wurde Ende 2017 eine 360-Grad-Kampagne in Deutschland und Großbritannien gestartet. Im Zentrum standen Schieles „Sitzender Männerakt (Selbstdarstellung)“, „Stehendes nacktes Mädchen mit orangefarbenen Strümpfen“, „Hockender weiblicher Akt“ sowie „Kniender Selbstakt“. Deren explizite und polarisierende Darstellung von Nacktheit sorgten schon zur Zeit ihrer Entstehung für Provokation.




Schiele wirkt auch 2018

Wien Tourismus-Chef Norbert Kettner

Zensur wie schon vor 100 Jahren

Auch 100 Jahre später besteht immer noch die Befürchtung, dass die Bilder für errötete Gesichter sorgen könnten. „Aufgrund geltender Werbevorschriften mussten wir in Hamburg, Köln und Londons U-Bahn die primären Geschlechtsmerkmale der Aktdarstellungen mit einem weißen Textfeld bedecken, das wir zugleich als Vehikel für unsere Botschaft nutzten“, erzählt Wien Tourismus-Geschäftsführer Norbert Kettner. „Wir wollten der Wiener Moderne ihre Kontroverse zurückgeben, nicht bloß deskriptiv auf die künstlerischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit aufmerksam machen, und hinterfragen, wie viel sich in puncto gesellschaftlicher Entwicklung in den vergangenen 100 Jahren tatsächlich getan hat“.

„Die Publikumsreaktionen waren überwiegend positiv und haben Wien sehr viel positive Aufmerksamkeit beschert“, so Kettner. „Unsere Kampagnen-Videos auf YouTube durften Schiele in Deutschland gänzlich unverhüllt zeigen, in Großbritannien hingegen nicht zur Bewerbung eingesetzt werden – auch nicht verpixelt. Auch Facebook erlaubte zwar organische Postings der Schiele-Akte, als Werbeeinschaltung wurden sie abgelehnt. Auf Twitter gab es gar keine Zensur“.

Über alle Social-Media-Portale hinweg wurden mehr als sechs Millionen Impressions verzeichnet. „Wien war immer schon eine Stadt der Avantgarde und hat seit jeher Menschen egal welcher Herkunft und welchen Hintergrunds ermöglicht, sich kreativ zu entfalten. Ich denke, es ist uns gelungen auf unkonventionelle Weise neugierig zu machen auf Wien und die Sammlung des Leopold Museum, das uns dankenswerter Weise bei dieser nicht alltäglichen Aktion voll unterstützt hat“, resümiert Kettner.


Sorry, Schiele – und was sagen die Betrachter?